Aktuell
Tarifverhandlungen in der Sicherheitsbranche was gerade passiert und warum es uns alle betrifft
In Hessen wird aktuell über neue Löhne in der Sicherheitsbranche verhandelt. Als Mitglied des BDSW und verantwortungsbewusster Arbeitgeber liegt uns beides am Herzen: faire Bedingungen für unsere Mitarbeitenden und wirtschaftliche Stabilität für unsere Kunden und das Unternehmen. Deshalb verfolgen wir die Tarifgespräche aufmerksam und hoffen auf eine Lösung, die beiden Seiten gerecht wird und die Branche insgesamt stärkt.
Doch worum geht es dabei konkret und warum betreffen diese Verhandlungen die gesamte Sicherheitsbranche?
FAQ
Tarifverhandlungen in der Sicherheitsbranche einfach erklärt
Worum geht es bei Tarifverhandlungen?
Tarifverhandlungen sind Gespräche zwischen zwei Parteien: den Arbeitgeberverbänden (wie dem BDSW – Bundesverband der Sicherheitswirtschaft) und den Gewerkschaften (in der Regel ver.di). Dabei wird verhandelt, wie viel Geld Sicherheitskräfte verdienen und unter welchen Bedingungen sie arbeiten. Ziel ist es, sich auf einen neuen Tarifvertrag zu einigen, der für alle Betriebe gilt, die tarifgebunden sind.
Warum wird jetzt überhaupt verhandelt?
Tarifverträge laufen nach einer bestimmten Zeit aus – meist nach ein bis zwei Jahren. Wenn das passiert, müssen die Parteien neu verhandeln. Gerade in der Sicherheitsbranche ist das wichtig, weil Löhne, Zuschläge und Ausbildungsvergütungen mit der allgemeinen Preisentwicklung und den Anforderungen der Arbeit Schritt halten sollen.
Welche Rolle spielt Hessen dabei?
Hessen ist eines der Bundesländer, in denen aktuell über neue Löhne verhandelt wird. Etwa 25.000 Sicherheitskräfte sind betroffen. Die Gespräche zwischen ver.di und dem BDSW laufen seit Anfang November 2025 – bisher ohne Einigung. Am 13. November steht die zweite Verhandlungsrunde an.
Was fordert die Gewerkschaft ver.di?
Die Gewerkschaft setzt sich für bessere Bedingungen und eine spürbare Lohnerhöhung ein. In der aktuellen Runde fordert ver.di unter anderem:
- +9,5 % mehr Lohn für alle Beschäftigten
- +150 Euro mehr Ausbildungsvergütung pro Ausbildungsjahr
- Umwandlung fester Zulagen in prozentuale Zuschläge
- Einheitliche Zuschlagsregelungen in allen Bundesländern
Ziel ist es, den Beruf attraktiver zu machen und die steigenden Lebenshaltungskosten besser auszugleichen.
Was sagt der Arbeitgeberverband BDSW dazu?
Der BDSW hat ein erstes Angebot gemacht, das eine Erhöhung um 2,2 % zum 1. Januar 2026 und weitere 2,2 % im Folgejahr vorsieht. Die Arbeitgeber argumentieren, dass die Margen in der Sicherheitsbranche eng sind und Preissteigerungen erst an Auftraggeber weitergegeben werden müssen, bevor sie an die Mitarbeitenden fließen können. Ein zu hoher Anstieg könne dazu führen, dass Kunden Aufträge kürzen oder auf billigere Anbieter ausweichen.
Was bedeutet das konkret?
Für Sicherheitskräfte: Ein erfolgreicher Abschluss kann mehr Lohn, bessere Zuschläge und attraktivere Rahmenbedingungen bedeuten. Das stärkt langfristig auch den Berufsstand.
Für Unternehmen: Tarifsteigerungen bedeuten höhere Kosten, die in laufende Kalkulationen eingepreist werden müssen. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, Fachkräfte zu halten und das Image der Branche zu verbessern.
Nach intensiven Verhandlungen zwischen ver.di und dem BDSW steht nun auch in Hessen der neue Entgelttarifvertrag für die Sicherheitsbranche fest:
Dies sind die Änderungen im kurzen Überblick:
• Laufzeit: 2 Jahre (01.01.26 – 31.12.27)
• Lohnerhöhungen: ab 01.01.2026: +3,75 % → unterste Lohngruppe steigt von 14,60 € auf 15,15 € / ab 01.01.2027: +3,65 % → unterste Lohngruppe steigt weiter auf 15,70 €
• Ausbildungsvergütungen: +75 € in allen Ausbildungsjahren ab 2026 und nochmals +75 € ab 2027
• Diensthundeführer-Zulage: steigt auf 1,50 € pro Stunde (max. 12 Std.) ab 01.01.2026
• Zeitzuschläge: Übernahme der bestehenden Regelungen aus dem MTV in den LTV – Antrag auf Allgemeinverbindlichkeit (AVE) wird gemeinsam gestellt
• Umrechnung der Zulagen in % soll im Rahmen der Laufzeit entwickelt werden
Wie sieht das in anderen Bundesländern aus – und warum weichen die Tarife voneinander ab?
In Deutschland werden die Löhne in der Sicherheitsbranche nicht bundesweit einheitlich, sondern in jedem Bundesland separat verhandelt. Das liegt daran, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen, Lebenshaltungskosten und Auftragsstrukturen regional unterscheiden. Während in Bundesländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen bereits neue Tarifverträge abgeschlossen wurden, laufen in anderen – wie aktuell in Hessen – noch die Gespräche.
Dadurch können die Stundenlöhne, Zuschläge und Regelungen teilweise stark voneinander abweichen. Ziel der Gewerkschaften ist es langfristig, bundesweit vergleichbare Standards zu schaffen.
👉Mehr über die verschiedenen Tarife erfahren Sie direkt beim BDSW
Das könnte Sie auch interessieren:
Die Schlüsselzählung
gehört bei jeder Dienstübergabe zu den wesentlichen Abläufen.
Was steckt dahinter?
Warum bewacht Bundeswehr nicht mehr selbst?
Sicherheits-Berufe: FSS
Die „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Wach- und Sicherheitsgewerbe (Ausbildungsbereich Industrie und Handel).